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Die letzten Wochen verliefen ruhig. Nachdem ich Konrads Baupläne mit einem entschiedenen, aber immer noch freundlichen „Nein danke!“ vom Küchentisch gefegt hatte, suchte ich erneut das Gespräch.
„Liebling“, fing ich rührselig an, in der naiven Hoffnung, dass ein Kosewort an Satzanfang mein Gegenüber von der Aufrichtigkeit meiner Gefühle überzeugen konnte, „es ist nicht so, dass ich nie Kinder will. Aber jetzt gerade ist es ein bisschen ungünstig.“
Konrad saß neben mir im Bett, sein Kopf knickte wie bei einer welken Blume traurig nach unten. Er schwieg. Ich nutzte die Gunst seines Schweigens und fuhr fort. „Und ja, ich kann mir vorstellen, mich mit dir wild zu vervielfältigen, aber die Rahmenbedingungen sind grade nicht passend.“
„Und wenn wir sie passend machen?“ Konrad sah auf und mich mit diesem Blick an, bei dem sich Beton sofort zu einer cremigen, lockerleichten, streichfähigen Masse verflüssigte. Mein Herz zerfloss, seine Bestandteile tropften mir schwer in die Eingeweide.
„Wir können die Rahmenbedingungen anpassen. Aber nach und nach. Nicht so – hau ruck! Es kommt mir gerade alles so kopflos vor, so unüberlegt. Lass uns warten und den anderen dabei zuschauen, wie sie Babys machen, ok?“
Konrad nickte noch einmal, dann seufzte er und kuschelte sich ganz dicht an mich ran. Er flüsterte. „Liebling, ich möchte dich etwas fragen.“ Ich machte mich auf das Schlimmste gefasst. Jetzt BITTE kein Heiratsantrag! „Wie lange möchtest du diesen Blog eigentlich noch führen? Ich meine, ich freue mich, dass du damit so viel Erfolg hast, aber meinst du nicht auch, dass es schön wäre, wenn einem nicht ständig jemand ins eigene Wohnzimmer guckt?“
Mein erster Impuls: aufstehen, Sachen anziehen, abhauen. Das durfte ja wohl nicht wahr sein! Konrad wollte mir meinen Blog wegnehmen? Mir blieb die Spucke weg.
„Kommt nicht infrage!“, gab ich dementsprechend zurück und wusste gleichzeitig, dass Konrad aussprach, was ich schon öfter mal gedacht hatte.
Konrad seufzte. „Manchmal würde ich mir wünschen, du würdest deine Probleme mit mir besprechen und nicht mit dem Internet.“
Ich musste schlucken. Und mein Widerstand bröselte dahin. Quid pro quo. Ich hatte gewusst, dass dieser Moment kommen würde. Ich hatte ihn erwartet, befürchtet und an manchen Tagen sogar herbeigesehnt. Wenn man über sich, seine Liebe und sein Leben schreibt, verliert man den Bezug zur Wirklichkeit. Ich erlebe Situationen und frage mich im selben Augenblick, wie ich sie ein paar Stunden später durch meinen sprachlichen Reißwolf drehen kann. Ich treffe Menschen und frage mich, ob sie mir krummnehmen, wenn ich über sie schreibe. Ich denke über mich nach und suche gleichzeitig eine passende Titelüberschrift. Manchmal träume ich von einem Leben ohne Buchstaben.
„Könntest du dir vorstellen, diese Beziehung mit mir, und ich meine: nur mit mir zu führen, in den kommenden, sagen wir, 30 bis 50 Jahren?“
Ich wusste, dies war der Augenblick. Man soll ja aufhören, wenn es am schönsten ist. Die besten Bands trennen sich früh und ersparen sich ein Schicksal auf Kleinkunstbühnen. Sonst enden sie wie Fools Garden, die in die Musikgeschichte als die Band mit dem Lemon Tree und Dauergast in Oli Geissens diesmal wirklich absolut ultimativen Chartshow der 90er eingehen werden. Und ich will nicht wie Fools Garden werden. Lieber wie die Beatles.
Alleine würde ich den Ausstieg wohl nicht schaffen, deswegen nehme ich Konrads helfende Hand dankbar an, drücke die Schultern nach hinten und atme ganz tief aus: Danke fürs Lesen, fürs Mitfiebern und Mitdenken.
Ihr werdet mich nicht los werden, aber ich muss ein Schrittchen vom Bühnenrand zurücktreten, um nicht irgendwann das Gleichgewicht zu verlieren und umzukippen. Konrad will mich und ich will Konrad, und diese zwei Grundvoraussetzungen sind doch schon mal eine ganze Menge wert.
Danke fürs Zuhören. Pfiat euch.
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